Abendmahl, das Letzte

Abendmahl, das Letzte , Am Abend vor der * Kreuzigung waren sämtliche * Jünger zu einem Mahl versammelt.
Während sie aßen, nahm Jesus Brot, sprach den Segen, brach das Brot und gab es ihnen mit den Worten: „Nehmet hin, das ist mein Leib!“ Und er nahm den Kelch, sagte Dank, gab ihn an die Jünger weiter, und sämtliche tranken aus ihm Wein. Und er sprach zu ihnen: „Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele“ (* Markus 14, 22-25). Des Weiteren wird noch darauf hingewiesen, dass * Petrus den * Heiland dreimal verleugnen werde, bevor am frühen Morgen der Hahn kräht. Petrus wird in der christlichen Kunst ebendarum etliche Male mit einem Hahn dargestellt. Charakteristisch für das letzte Abendmahl ist die Einsetzung als * Sakrament.
Nach katholischer Auffassung werden nach der Lehre der * Transsubstantiation mithilfe das Hochgebet (* Eucharistie) als Höhepunkt der Messfeier, Brot und Wein in den Leib und das Blut des * Heilands verwandelt. Im Urchristentum feierte man das Abendmahl mit einem Sättigungsmahl (* Agape). Ab dem 2. Jh. erfolgte eine Trennung des Sättigungsmahls vom Abendmahl, während dem bloß mehr Brot und Wein gereicht wurde. Das von den Gläubigen selbständig mitgebrachte nicht konsekrierte Brot war für den Klerus und die Armen bestimmt. Einen kleinen Teil des konsekrierten Brotes verwahrte man für den Fall, dass einem Sterbenden das Abendmahl gereicht werden sollte, in einem über dem Altar hängenden Behälter, der überwiegend die stilisierte Beschaffenheit einer Taube hatte (* Ziborium, * Tabernakel).

Stich, Abbildung, gravure, engraving from Leonardo da Vinci & Raphael Morghen : 1894


Heute begrenzt sich die Abendmahlsfeier in der katholischen Kirche auf den Bedarf der * Hostie. Das letzte Abendmahl fand im 5./6. Jh. Eingang in die Bildende Kunst. Ursprünglich wurde Jesus an der linken Ecke der Tafel sitzend wiedergegeben, ab dem 11. Jh. zumeist im Zentrum thronend, flankiert von seinen Jüngern. Judas wird oftmals im Weggehen dargestellt, mit rotem Haar und gelber Gewandung als Verräter gekennzeichnet.
Definition: Bezeichnung für die in zwei neutestamentlichen Traditionen (Matthäus / Markus und Lukas / Paulus) überlieferte Abschiedsfeier Jesu mit seinen Jüngern.
Information: Das Abendmahls-Wort des historischen Jesus könnte beispielsweise in dieser Art gelautet haben: „Dies ist mein Leib, der für eine Menge von hingegeben wird, solcher Becher ist der neumodische Bund in meinem Blut.“ Die schriftlich nieder gelegten Formulierungen sind außergewöhnlich alt und stammen aus einer frühen, bald nach dem Tod Jesu einsetzenden liturgischen Praxis. Die Abendmahls-Berichte sind also einerseits Kult-Ätiologien (z. B. 1. Korinther 11. 23). Andererseits stellen sie biografisch-testamentarische Berichte mit Anklängen an den jüdischen Pessah-Ritus dar.
In den unterschiedlichen im Lauf der Kirchengeschichte entstandenen Begriffen Abendmahl, Messe / Messopfer, Eucharistie (griech.: Danksagung als Entsprechung des hebräischen berakah: Segen) spiegelt sich der für die Symbolgeschichte des Abendlandes maßgebliche neuzeitliche Abendmahlsstreit.
Interpretation: Beginnend mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurde inmitten der Reformation und der verbleibenden lateinischen Kirche, trotzdem ebenso binnen der Reformation, darüber gestritten, ob und wie in der Feier des Abendmahls Jesus Christus mit Leib und Blut „real“ präsent ist (Luther und die Katholiken), etwaig ebenfalls nach der Feier, wenn die Gestalten (meistens bloß das Brot) aufbewahrt oder den Kranken gebracht werden. Die Alternativposition besagt, dass jene Dasein nicht „real“, an Örtlichkeit „nur“ symbolisch ist (Zwingli).
Die Gegenüberstellung „Real“präsenz vs. „nur“ symbolische Dasein Jesu in der Feier des Abendmahls deutet auf eine Krise des abendländischen Symbolverständnisses hin, die erheblich tiefer langt, als die – theologische gewiss maßgebliche – Einzelfrage.
Im Gegensatz zum lateinischen Westen hat die ostkirchliche Theologie unterbrechungsfrei einen starken Symbolbegriff vertreten: Das Symbol ist zu keinem Zeitpunkt weniger „real“ als die umgebende Wirklichkeit, an Örtlichkeit „realer“, weil es auf eine tiefere Wirklichkeit verweist und im Falle des eucharistischen Handelns die irdische mit der himmlischen Liturgie verknüpft. Ähnlich wie im Zuge der Weihe des Priesters geschieht Wandlung nicht aus eigener Macht, stattdessen mittels spirituelle Öffnung im Ritus der empfangenden und leeren, über Brot und Wein ausgebreiteten Hände (gr. Epiklese).
Das gebrochene Brot, an dem die Jünger Jesus erfassen, der sich den Augen entzieht (Lukas 24, 31), wird von den griechischen Kirchenvätern symbolon genannt. Jung knüpft mit seinem Begriff des tätigen Symbols an ebendiese Tradition an. Er greift gleichwohl die Interpretation des Abendmahls als „Opfer“ auf – scheinbar unbekümmert von der reformatorischen Kritik und deren Bemühen, das Abendmahl vorrangig biblisch und gerade nicht in religionsgeschichtlichen Anklängen zu begründen (Jung, GW 11, § 390).
Aus Sicht der Analytischen Psychologie ist das Sakrament des Abendmahls das die Ich-Selbst-Beziehung konstellierende Symbol. Denn das eucharistische Mysterium verwandelt „die Seele des empirischen Leute, der allein ein Teil seiner außerdem ist, in ihre Ganzheit, die via Christus formuliert ist. Man kann aus diesem Grund in diesem Sinne die Messe als Ritus des Individuationsprozesses bezeichnen“ (Jung, GW 11, § 414). In seiner Arbeit über das Wandlungssymbol in der Messe weist Jung auf den paradoxen Umstand hin, dass die christliche Kirche das Mysterium zur öffentlichen Veranstaltung machte, das Innerste nach Außen kehrte, indem sie die Messe in allgemein zugänglichen Räumen zu feiern begann. Im Gegensatz dafür waren in Eleusis, in der Mithrasreligion und im Zuge zusätzlichen Mysterienkulten ausschließlich geprüfte Initianden zugelassen.
Der westeuropäische Abendmahlsstreit „reale“ vs. „nur“ symbolische Gegenwart greift uralte religionsgeschichtliche Parallelen auf: einerseits das Communio-Mahl, in dem die Gottheit „kannibalistisch“ inkorporiert wird, andererseits das Convivium, das Gemeinschaft unter den Feiernden stiftet, indem ein Teil des Opfers / der Mahlzeit an den Gott übergeben wird. D. W. Winnicott interpretierte die inkorporierende und die „nur symbolische“ Sicht des Abendmahls als zwei Weisen des religiösen Umgangs mit dem Übergangsbereich. Beiden gegensätzlichen Sichtweisen liegt die Dynamik des zerstörerisch-aggressiven Objekt-Gebrauchs zugrunde (Hopkins 2001). Indem die Teile des Abendmahls anhand Essen und Trinken vernichtet werden, entsteht das Symbol des Leibes Christi: „Euer Mysterium liegt dort auf dem Altar. […] ] Seid, was ihr seht, und nehmt in euch auf, was ihr seid.“ (Augustinus, Predigt 272)