Agnosia

Definition: Agnosia ist ein gnostischer Begriff, der die Abwesenheit von Gnosis (=Erkenntnis) bedeutet. Er ist verwandt mit dem Begriff agnoia (Unwissenheit) wie er in der Rede des Paulus auf dem Areopag in Athen vorkommt: „Über die Zeiten der Unwissenheit (agnoia) derzeit hat Gott hinweggesehen; aktuell trotzdem lässt er den Leute verkündigen, dass sie sämtliche überall Buße tun sollen [ […] ] “ (Apg 17, 30). (Eph 4, 18; 1 Petr 1, 14; 2, 15).
Information: In einem Brief des Gnostikers Valentinus, den Epiphanius (Pan 31, 5, 3) zitiert, nennt sich es: „Als zuerst der Selbstentstandene (Autogenes) sämtliche Dinge in sich enthielt, obwohl in unbewusster (agnosia) Gestalt – er, den einige den alterslosen Aeon, zu jedem beliebigen Zeitpunkt neu, männlich und weiblich nennen, der alles beinhaltet, nichtsdestominder für sich nicht enthalten ist [ […] ] “ (Williams, 1987, S. 156)
Im Codex Jung (NHC I) sind die Gedanken im Vater verborgen, ohne es zu beherrschen. Bei Hippolytos tritt der Ausdruck anóeton auf, der gleichfalls am positivsten mit „unbewusst“ zu übersetzen ist. Im Kapitel 7 des hermetischen Asclepius reagiert Hermes: „Nicht sämtliche, o Asklepius, gelangen zur wahren Einsicht <=Gnosis, anstelle folgen in falschem Streben einem Trugbild, ohne die wahre Lehre zu beherrschen, und werden getäuscht“ (7, 23-25).
Interpretation: Beim Gnostiker Basilides ist die dritte Sohnschaft im Zustand der Gestaltlosigkeit (amorphia), was in beispielsweise der Unbewusstheit entspricht. Es ist das bedeutsame Fragen des Gnostikers, den ursprünglichen Zustand der Agnosia zu überwinden und zur Gnosis, einem erlösten Zustand, zu gelangen.
Ein anderer Ausdruck für Agnosia ist die Trunkenheit (NHC VI, 3; 24, 14-22), gleichfalls binnen Philon von Alexandria (de ebrietate 154 ff).
Agnosia wird ebenfalls via Finsternis symbolisiert (Joh 1, 5) und die Gnosis via Lichtsymbole. Das größte Übel ist für den Gnostiker das Verharren in der Agnosia. Sie ist „die Basis der Schlechtigkeit, die Fessel des Verderbens, der finstere Kerker, der lebendige Tod, der wahrnehmende Leichnam, das Grab, das man mit sich herumträgt, der Räuber im speziellen Haus“, nennt sich es im hermetischen Text (CH VII, 2).
Der Jungsche Analytiker sieht in diesen alten Zeugnissen eine Bestätigung seiner progressiven analytischen Bestrebung der Bewusstmachung des Unbewussten.
In der Gnosis ist agnosia Blindheit. Samael ist der blinde Schöpfer (NHC II 5; 103, 17), der in seiner Unwissenheit den Personen schuf (113, 14). Der Erlöser öffnet die Augen der Blinden NHC I 3; 30, 18) Die Söhne der Leute sind blind in ihrem Herzen (NHC II 2; log 28). Die Menschenkinder tappen wie Blinde (Pistis Sophia 241, 25). Die Seele legt sich den Logos auf die Augen und wirft die Blindheit von sich (NHC VI 3; 27, 29-30). Der Mensch soll sich vor der blinden Unwissenheit hüten (NHC VII 4; 88, 21).
Die Trunkenheit ist eine Gestalt der Unwissenheit, die gleichfalls bereits in den Oden Salomos vorkommt (38, 12). Der Erlöser findet sämtliche trunken (NHC II 2; log 28), ihre Herzen sind trunken (NHC I 2; 3, 9). Mit Hilfe die Epinoia des Lichts wird Adam nüchtern (AJ BG 59, 20) (NHC II 5; 120, 24). Der Pneumatiker hat sich von der Trunkenheit abgewendet (NHC I 3; 22, 16). Poimandres ermahnt zur Nüchternheit (CH I 16. 21), sie befähigt zur Gottes- und Erleuchtung (NHC VII 81, 1)

Word AGNOSIA composed of wooden dices. Pills, documents and a pen in the background. Closeup